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Boule und Pétanque Verband Nordrhein-Westfalen e.V.

Karim Mazri hat Deutschland verlassen

04.02.2010

Liebe Mitglieder des KfK Münster,
liebe BoulespielerInnen in NRW und anderen Bundesländern!


Die Zeit des Hoffens ist nun endgültig vorbei und wir haben es leider nicht geschafft, Karim hier bei uns zu behalten.

Karim Mazri ist gestern aus der BRD nach Algerien abgeschoben worden. Er flog von Frankfurt nach Algier. (Habe mit ihm am Mittwochabend telefoniert, er ist gut gelandet und bei seinen Angehörigen)

Dort trifft und sieht er nach fast 17 Jahren das erste mal wieder seine Eltern, Geschwister, Verwandte und alte Freunde wieder.

Wir alle wünschen ihm eine baldige schnelle Eingewöhnung in Algerien und viel Glück und Erfolg für seinen neuen Lebensabschnitt.


Was ist passiert:

Am Donnerstag, den 28.Januar 2010, begab sich Karim zum Ausländeramt der Stadt Münster, um seine Duldung zu verlängern.
Er wurde von der Polizei festgenommen, die im Rahmen der Amtshilfe für die Ausländerbehörde tätig war. Man brachte ihn zum Polizeipräsidium Münster und er wartete in einer Zelle auf seine Vorführung zum Amtsgericht. Dort wurde ihm vom Richter die Abschiebung verkündet und man brachte ihn anschließend in die Justizvollzugsanstalt Büren, zuständig für Abschiebungen.

Als dies bekannt wurde, haben viele Vereinsmitglieder den Fall an die Öffentlichkeit gebracht. Unzählige Solidaritätsbekundungen, viele Anregungen, Ratschläge ( gerade im Bouleforum ) erreichten uns.
Es kam aber auch zu Fehlinformationen wie z.B., dass Karim eine deutsche Frau habe. Dies entspricht nicht der Wahrheit.

Eine große Welle der Anteilnahme am Schicksal von Karim ging quer durch die Republik.
Viele äußerten ihre tiefe Betroffenheit, Wut und Trauer im Bouleforum.
Andere wiederum sind den Aufrufen gefolgt und haben Institutionen wie PRO ASYL, den Integrationsbeauftragten der Landesregierung, die Härtefallkommission des IM NRW und Politiker angeschrieben und auf das Schicksal von Karim aufmerksam gemacht und um Hilfe und Unterstützung gebeten.

Ferner kam des Öfteren der Vorschlag, die Abschiebung durch das Verwaltungsgericht (VG) stoppen zu lassen. Das hätte bedeutet, beim VG Münster einen Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung mit dem Ziel der Aussetzung der Abschiebung zu beantragen. Aber da Karim in ein Land abgeschoben wird, wo er keinen Schaden an Leib oder Leben nimmt, wäre der Antrag verworfen worden.

Wir haben viele Antworten von diesen o.a. Stellen und Personen erhalten. Der überwiegende Tenor war, die rechtliche Seite sei leider abgeschlossen und eine Rücknahme der Abschiebung durch politische Einflussnahme nicht mehr zu erreichen. Das hat uns natürlich wenig getröstet, denn wir wollten mehr, nämlich Karim wieder haben.

Ich war mit unserem Mitglied Gerd am Montag, den 01.02.10, in der JVA Büren, um Karim zu besuchen. Da ihn vor uns schon 2 Vereinmitglieder, Renate und Jens, besucht haben, bekamen wir keine Besuchszeit. Karim durfte am Tag nur einmal Besuch empfangen. Draußen warteten schon 2 Boulefreunde aus Gestringen und Marl (Eckhard und Toto), sie wollten Karim ebenfalls besuchen. Wir hatten einfach die Besuchsregelung falsch interpretiert.
Nach reichlicher Diskussion mit dem Personal der JVA und durch Rücksprache mit dem Leiter der Besuchsabteilung gelang es uns, wenigstens für mich noch ein 15minütiges Besuchsrecht zu erhalten.

Es war schon ein bedrückendes Gefühl plötzlich einem Freund gegenüber zu stehen, mit dem man fast 15 Jahre zusammen war, Turniere und Meisterschaften gespielt hat und dann zu wissen, dass man diesen liebgewonnenen Freund demnächst nicht mehr wiedersieht.

Ich hatte einen dicken Kloß im Hals und war nahe am Wasser gebaut. Karim war sehr gefasst, seine Gefühle waren 50 zu 50. Irgendwie war er auch auf zu Hause neugierig, auf seine Eltern, Geschwister und Verwandte. Auf meine Frage hin, ob er wieder nach Deutschland zurückkommen würde sagte er spontan ja. Das Netteste was er zu mir sagte war: „Ich habe Dir wohl ganz schön Stress gemacht“.

Am nächsten Tag, Dienstag, haben ihn dann Rüdiger und Petra vormittags und nach Rücksprache mit der Besuchsabteilung hat Barbara noch mit Kappe einen Besuchstermin am Nachmittag erhalten.

Karim ist auch nicht wie ein räudiger Hund aus Deutschland gejagt worden, wie es von einem Briefschreiber befürchtet wurde, sondern es ging alles seinen rechtstaatlichen Weg.

Ich möchte mich jetzt am Ende im Namen von Karim und dem KfK Münster bei allen bedanken, die sich für Karim eingesetzt haben, sei es durch Spenden, Mails oder Schreiben an die Flüchtlings- und Asylinstitutionen, an Politiker oder an den Integrationsbeauftragten sowie an die Härtefallkommission des Landes beim IM in NRW.

Wir haben für Karim ein Spendenkonto bei der Sparkasse Münsterland-Ost, Kto.-Nr.:
135 369 502, BLZ: 40050150, bis Ende März eingerichtet. Kontoinhaber Wolfgang Barth und Spenden unter Verwendung „Spende für Karim Mazri“.

Falls jemand das Bedürfnis hat Karim zu schreiben, bitte die Post an meine Adresse, die Post wird ungeöffnet in einem Sammelumschlag weitergeschickt. Karim möchte aus verständlichen Gründen seine Personalien nicht öffentlich machen.

Jetzt die Frage, was passiert als Nächstes. Wir sind weiterhin mit unserer Anwältin in Kontakt und wenn Karim will, versuchen wir ihn nach Deutschland zu holen, wenigstens erstmal als Besucher. Durch die Abschiebung bekommt er eine 3-jährige Einreisesperre, da gilt es, diese durch die Anwältin zu verkürzen. Auch werden wir dann die Kontakte zu den Politikern und Vertreter der Institutionen nutzen. Wir geben die Hoffnung nicht auf!

Nochmals vielen Dank an alle, auch im Namen von Karim.

Es grüßt

Wolfgang Barth
(Vorsitzender KfK Münster e.V.)

W. Barth, Nordstraße 7 in 48149 Münster., Tel.: 0251-22232 de 01703427708